Überlastungsbeschwerden
Das Kniegelenk ist das größte und eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers. Es verbindet Oberschenkel- und Unterschenkelknochen und wird durch Menisken, Bänder und Muskulatur stabilisiert und geführt. Neben Beugung und Streckung ermöglicht es auch geringe Dreh- und Gleitbewegungen. Menisken und die Knorpeloberfläche verteilen die Last und wirken als Stoßdämpfer, während Bänder und Muskeln für Stabilität und einem kontrollierten Bewegungsablauf sorgen.
Im Alltag ist das Knie teilweise extremen Belastungen ausgesetzt: Schon beim Gehen wirken Kräfte von etwa dem 2-3fachen des Körpergewichts, bei Sportarten mit Sprüngen oder Richtungswechseln noch deutlich mehr. Fehlstellungen, Bandverletzungen, Muskelungleichgewichte oder auch Übergewicht erhöhen diese Belastung und begünstigen Abnutzung oder Verletzungen. Stabilität, gute Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination sind daher entscheidend für die langfristige Gesundheit des Kniegelenks.
Im Folgenden sind typische Überlastungsbeschwerden und Reizzustände aufgelistet, die meistens konservativ im OrthoZentrum Döbling behandelt werden können.
Knochenmarködem
Das Knochenmarködem im Bereich des kniegelenknahen Oberschenkel- oder Unterschenkelknochens ist meistens auf eine Überlastung zurückzuführen, wodurch es zu einer Strukturstörung unterhalb der Knorpelschicht kommt. Knorpelschäden, Meniskus- und Kreuzbandverletzungen, aber auch Durchblutungsstörungen können ein Knochenmarködem verursachen, das dann Schmerzen – teilweise auch in Ruhe – verursacht.
Entscheidend bei der Therapie ist die genaue Diagnostik, ein MRT ist immer erforderlich. Manche Knochenmarködeme heilen spontan ab (bone-bruise = schwere Prellung), bei anderen, z.B. im Rahmen der Arthrose ist eine Therapie empfehlenswert. Geeignet ist die Stoßwellen- und Magnetfeldtherapie, aber auch der Belastungsaufbau mit Physiotherapie und Alter G Anti-Schwerkraft Laufband. Auch medikamentöse Behandlungen sind manchmal nötig.
Läuferknie/Springerknie (runner`s knee, jumper`s knee)
Hierbei handelt es sich um meist chronische Überlastungsbeschwerden im Bereich der Sehnenansätze (Patellasehne) oder Entzündungen die durch Sehnenfriktion (=Reibung) entstehen (Traktus iliotibialis) Durch eine genaue Anamneseerhebung und klinische Untersuchung, sowie bildgebende Verfahren kann die Diagnose gestellt werden.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und bedeutet meist eine Belastungs-Modifikation und Physiotherapie. Dazu kommen Stoßwellentherapie und auch die PRP-Eigenplasma Therapie, wodurch die Beschwerden in den Griff zu bekommen sind. Dennoch kann die Behandlung langwierig sein, bis die volle sportliche Belastbarkeit wieder erlangt ist.
Bakerzyste
Die Bakerzyste ist ein Symptom, das durch einen Reizzustand des Kniegelenks hervorgerufen wird. Meist liegt dem eine Abnützung mit Knorpel- und Meniskusschäden zugrunde, wodurch das Kniegelenk vermehrt Gelenksflüssigkeit produziert. Die Flüssigkeit sammelt sich dann in der Kniekehle im Bereich von Sehnenscheiden an und verursacht Beschwerden, die Bakerzyste selbst ist an sich harmlos. Die Diagnose kann sowohl mit Ultraschall als auch klinisch gestellt werden, allerdings ist zur Abklärung der Ursache meistens ein MRT erforderlich.
Die Diagnose der zugrundeliegenden Ursache entscheidet über die Therapie. In vielen Fällen ist eine Arthroskopie mit Sanierung des Meniskusrisses ausreichend, damit die Bakerzyste zurückgeht. Manchmal muss auch eine arthroskopische Dekompression mit Resektion des Verbindungskanals zum Gelenk nötig.
Stammzellen-Therapie
Autologe Stammzellen-Injektionstherapie beim Knie nutzt meist aus dem Knochenmark, Fettgewebe oder auch peripherem Blut gewonnene mesenchymale Stammzellen, die direkt in das geschädigte Gelenk injiziert werden.
Ziel ist es, Entzündungen zu reduzieren, Knorpelstrukturen zu stabilisieren und Schmerzen zu lindern. Studien zeigen, dass viele Patient:innen mit Arthrose oder Knorpeldefekten eine relevante Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung erreichen können, besonders im frühen bis mittleren Erkrankungsstadium.
Allerdings ist die Evidenz noch heterogen:
Unterschiede in Zellgewinnung, Aufbereitung, Dosierung/Häufigkeit und Kombinationsverfahren (z.B. mit PRP) erschweren klare Aussagen.
Leitlinien bewerten die Methode daher meist als vielversprechend, aber noch ohne Langzeitaussage. Sie werden als Patient:in daher von uns über die begrenzte Datenlage, mögliche Kosten und alternative etablierte Therapien (PRP, Hyaluroninjektionen, etc.) umfassend informiert.
Die Anwendung erfolgt derzeit bei aktivierter Arthrose und auch nach Verletzungen des Kniegelenks (z.B. periphere Meniskusrisse, Partialrupturen von Kreuzbändern und Seitenbändern). Gerne informieren wir im Rahmen Ihres Besuches in der Ordination.